Crowdfunding ist inzwischen weit verbreitet, CrowdJustice hingegen noch relativ neu und im deutschsprachigen Raum nicht bekannt. Der Begriff zieht jedoch immer häufiger in die Suchergebnisse ein, denn der Bedarf an Lösungen zur Finanzierung von Gerichtsverfahren und Rechtsstreitigkeiten ist hoch. Bei CrowdJustice werden Rechtsuchende, Anwälte und Kapitalgeber vereint, um Gerichtsverfahren zu finanzieren.
Recht ohne Rendite
Entgegen dem typischen Ansatz von Rendite mit Recht steht bei CrowdJustice der Grundsatz Recht ohne Rendite im Vordergrund: Als spendenbasierte Crowdfunding-Plattform für Rechtsstreitigkeiten wird den Spendern weder eine Erfolgsbeteiligung aus gewonnenen Verfahren noch sonst irgendeine finanzielle Gegenleistung in Aussicht gestellt. Die Spenden dienen ausschließlich gemeinnützigen Zwecken.
CrowdJustice betreibt Fundraising und erhält dafür auch keine Gewinnbeteiligung bei Prozesserfolg, sondern eine prozentuale Gebühr für den durch das Crowdfunding eingeworbenen Geldbetrag. Die Erfolgsaussichten des Rechtsstreits werden von der Plattform nicht abgeklärt. Letztlich unterstützen Plattformen, wie die in Großbritannien ansässige Firma CrowdJustice, Verbraucher auf ihrem Weg zur erfolgreichen Klage. Spender erhalten dafür das gute Gefühl, den Zugang zur Justiz zu ebnen, ein perfektes Beispiel also für Recht ohne Rendite.
Die Crowdfunding-Plattform aus dem Vereinigten Königreich richtet sich an zwei Hauptmärkte:
- Verbraucher, die finanzielle Hilfe bei der Prozessfinanzierung benötigen und
- Anwälte, die mit Mandanten zusammenfinden wollen, die eine Klage anstreben.
Was ist CrowdJustice?
Zunächst mal strebt CrowdJustice ganz allgemein Gerechtigkeit für jeden an. Oft stehen Rechtsuchende vor der Hürde der Finanzierung ihres Rechtsfalls. Crowdfunding ist als Modell die Basis für CrowdJustice. Das spendenbasierte Crowdfunding wird für die Finanzierung von Gerichtsverfahren herangezogen. Die breite Öffentlichkeit kann also dazu beitragen, dass Recht gesprochen wird und Gerechtigkeit dem widerfährt, der sie auch wirklich verdient.
Geld sollte kein Hindernis sein, um sein Recht zu erhalten. Doch bei einem einzigen Zivilprozess mit einem Streitwert von 5.000 € fallen bereits Gerichts- und Anwaltskosten in Höhe von ca. 2.500 € an. Diese müssen vorfinanziert werden, was für viele schlichtweg nicht machbar ist. Verliert man das Verfahren, fallen zudem die Kosten der Gegenseite an, was die Summe erheblich erhöhen kann.
Nur beim Arbeitsgericht trägt unabhängig vom Ausgang jede Partei ihre Kosten selbst. Daher finden sich für diese Verfahren nur in großem Maße Prozessfinanzierer. Wenn die gewerblichen Anbieter außen vor bleiben, kann CrowdJustice eine Lösung bieten und die Lücke schließen.
Wie funktioniert CrowdJustice?
Zunächst muss gesagt werden, dass innerhalb der EU das sogenannte Crowdinvesting oder Crowdlending (kreditbasiertes Crowdfunding) der nationalen Bankenaufsicht unterliegt, weil Anleger finanzielle Renditen erzielen. Die BaFin konzentriert sich aufsichtsrechtlich also auf diese Bereiche der Schwarmfinanzierung. Dadurch, dass Anleger beim spenden- und gegenleistungsbasierten Crowdfunding keine Renditen erzielen, gelten diese Formen aber nicht als Geldanlage und unterliegen nicht der Aufsicht.
Trotzdem haben sich hierzulande nur sehr wenige Anbieter gefunden. In Großbritannien und den USA, aber auch in anderen Ländern, ist das Modell von CrowdJustice hingegen stärker vertreten und findet dort unter Verbrauchern bereits eine große Akzeptanz. Bundesbürger können aber auch Anbieter außerhalb der EU vollständig legal nutzen, um Gerichtsverfahren zu finanzieren.
Man kann beispielsweise im DACH-Raum wohnhaft sein und trotzdem CrowdJustice nutzen, solange die Zusammenarbeit mit einem britischen Anwalt oder einer in Großbritannien ansässigen Anwaltskanzlei läuft. Denn die eingeworbenen Crowdfunding-Gelder werden ausschließlich an eine im Vereinigten Königreich registrierte Anwaltskanzlei oder Wohltätigkeitsorganisation ausgezahlt. Die Plattform eignet sich damit für deutschsprachige Nutzer vor allem bei Fällen mit englischen Berührungspunkten.
So ist der übliche Ablauf auf der CrowdJustice-Plattform:
- Verbraucher entscheiden sich, ob sie ihren Rechtsstreit von einer privaten oder öffentlichen Crowdfunding-Community finanzieren lassen wollen, und wählen die entsprechende Konfiguration auf der Webseite von CrowdJustice aus.
- Bevor die Crowdfunding-Seite erstellt wird, legen die Initiatoren eine Mindestsumme fest, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums erreicht werden muss (sog. Fundingschwelle). Andernfalls erhalten die Spender nach Fristablauf ihre Gelder zurück. Allerdings können mehrere Durchgänge für die erfolgreiche Schwarmfinanzierung durchgeführt werden.
- Eine Crowdfunding-Seite wird dann erstellt, die den Rechtsstreit genau vorstellt und wichtige Eckdaten liefert, damit die Spender alle Informationen erhalten und entscheiden können.
- Von ca. 300 bis 300.000 britischen Pfund liegen die finanzierten Prozesskosten des Dienstleisters CrowdJustice üblicherweise. Es kann sich also durchaus auch für kleinere Gerichtsverfahren oder niedrige Anwaltskosten lohnen. B2B-Streitigkeiten mit Millionenstreitwerten erscheinen indessen weniger geeignet für die Plattform.
CrowdJustice-Ablauf aus Anwaltssicht:

Anwälte, die über CrowdJustice gesammelte Gelder erhalten, werden über die Bedingungen informiert, unter denen die Spende erfolgte: Sie dürfen ausschließlich zur Deckung der Prozesskosten des Mandanten verwendet werden, und etwaige Überschüsse sollen ähnlichen Zwecken zugutekommen.
Welche Vorteile bietet CrowdJustice?
Das Crowdfunding von Prozesskosten wird im Englischen als Litigation Crowdfunding oder Crowdfunded Litigation bezeichnet. Es ist ein vollkommen legales Konzept zur Finanzierung von Rechtsstreitigkeiten, bei dem Dienstleister Prozesse finanzieren und dafür je nach Ausgestaltung gegen Vereinbarung mit dem Kunden einen Teil der erstrittenen Erlöse behalten – oder auch nicht. Im Fall von CrowdJustice ist die Spende ausschließlich philanthropischer Art.
Durch Transparenz kann CrowdJustice mit dem richtigen Partner für Rechtmäßigkeit sorgen. Die Anwaltskanzleien, die angeschlossen sind oder diese Art der Prozessfinanzierung akzeptieren, erhalten die Gelder ohne Umwege über sogenannte Client Accounts überwiesen. Das Geld von den Spendern geht also direkt an die Rechtsanwälte, was Sicherheit und Compliance gewährleistet. Darüber hinaus werden Geldwäsche- und KYC-Checks für Spenden ab 5.000,00 £ durchgeführt (ohne Personalausweis geht es also nicht).
Litigation Crowdfunding – privat oder öffentlich möglich
Kläger haben die Wahl, ob ihre Crowdfunding-Seite öffentlich für jedermann einsehbar oder ob der Zugang nur für eingeladene Personen möglich sein soll. Die Plattform-Gebühr bleibt in beiden Fällen dieselbe. Besonders für Fälle mit sehr sensiblen Informationen ist die Konfiguration der Privatsphäre ein großer Vorteil.

Finanzschwache Kläger oder Klagen im öffentlichen Interesse lassen sich besonders gut unterstützen. CrowdJustice vermeidet intransparente Verwendung von Spenden, da es alle Zahlungen über die Plattform abwickelt, Gebühren abbildet und die Zahlungen an die Anwälte direkt und nicht an die Kläger gehen. Innerhalb einer Woche geht das Geld in der Regel bei den Anwälten ein. Die klassische Prozessfinanzierung kann hier hinsichtlich der Schnelligkeit nicht mithalten.
Durch die breite Verwendung von Spendenprojekten können verschiedenste Rechtsgebiete abgedeckt werden, die sonst wenig Beachtung finden. Für Kunst- und Kreativobjekte, Wohltätigkeits- und Gemeinschaftsinitiativen sowie alternative Gebiete hat sich CrowdJustice besonders in Großbritannien in den vergangenen Jahren durchgesetzt. Der weltweite Zugang zu Spendern aus dem privaten oder gewerblichen Sektor ist ebenfalls ein großer Vorteil dieser Form der Prozessfinanzierung.
Finanzierung für große und kleine Rechtsstreitigkeiten
Die Plattform bietet einen weiteren gewichtigen Vorteil, den die klassische Prozessfinanzierung nicht ermöglicht: Die Finanzierungsbandbreite reicht von Beträgen von nur 300 £ für eine erste anwaltliche Rechtsberatung bis hin zu mehr als 300.000 £ für komplexe Rechtsangelegenheiten. Die Mindestsumme für eine Finanzierung ist besonders niedrig angesetzt.
Bevor allerdings eine Fallseite auf CrowdJustice eingerichtet werden kann, muss zuvor rechtlicher Rat bei einem Anwalt eingeholt worden und ein englischer Anwalt muss bereit sein, den Fall zu übernehmen. Logischerweise kann ohne die Mitwirkung eines Anwalts der Fall nicht veröffentlicht werden.
Die wichtigsten Fragen zu CrowdJustice
1. Ist CrowdJustice legal?
Anbieter wie CrowdJustice arbeiten vollkommen seriös und sind legal. Das Unternehmen darf seine Dienstleistung anbieten und wurde zu diesem Zweck gegründet. In England, wo das Unternehmen seinen Hauptsitz hat, gehört CrowdJustice zum festen Bestandteil des Rechtswesens.
2. Was kostet CrowdJustice?
Die Einrichtung des Projektes erfolgt kostenlos, auf die gespendete Summe – sofern die Fundingschwelle erreicht wurde – muss eine Gebühr in Höhe von derzeit 3 % zzgl. ggf. USt. und weiteren 3% Transaktionsgebühr des Zahlungsdienstleisters bezahlt werden. Darüber hinaus werden 0,20 £ pro Spendenzahlung berechnet. Je mehr einzelne Spenden erfolgen, desto teurer wird die Kampagne.
3. Ist Legal Crowdfunding dasselbe wie CrowdJustice?
Die spezielle Form der Spendensammlung zur Finanzierung von Anwalts- und Gerichtskosten gewährt Zugang zum Recht, auch wenn die finanziellen Mittel des Klägers nicht dafür ausreichen. Beide Begriffe beschreiben die Finanzierung von rechtlichen Schritten. Dennoch ist CrowdJustice ausschließlich spendenbasiert, während die Vergütung beim Legal Crowdfunding auch erfolgsorientiert sein kann.
4. Wie hoch ist die durchschnittliche Spendensumme auf der Plattform?
Die durchschnittliche Spende auf der Crowdfunding-Plattform CrowdJustice beträgt 35 £.
5. Wieso spenden Menschen auf CrowdJustice ohne finanzielle Gegenleistung?
Die Gründe sind vielfältig. Einerseits kann eine persönliche Verbindung zum Kläger bestehen oder man erachtet das Rechtsproblem von weitgehender Tragweite für die Allgemeinheit. Andererseits spendet man auch aus emotionalen Gründen.
6. Wofür kann das Geld von CrowdJustice verwenden werden?
Das Geld kann beispielsweise für vorgerichtliche Beratungskosten (z.B. 2-5K für Beratung oder Rechtsgutachten), Versicherungsprämien, Gerichts- und Anwaltskosten oder Sachverständigengutachten verwenden werden.
7. Ich wohne im DACH-Raum. Kann ich trotzdem CrowdJustice nutzen?
Ja, solange die Gelder an eine im Vereinigten Königreich registrierte Anwaltskanzlei oder Wohltätigkeitsorganisation ausgezahlt werden können. Hierfür bieten sich zum Beispiel britische Anwaltskanzleien an, die auch ein Desk für deutsches Recht unterhalten.
8. Kann ich CrowdJustice nutzen, wenn mein Fall nicht englischem Recht unterliegt?
Ja, solange die Voraussetzungen von Nr. 7 erfüllt sind. Optimalerweise unterliegt der Fall aber englischem Recht, weil die Anwaltssuche dann kein Problem sein sollte.
9. Kann CrowdJustice mir passende Anwälte empfehlen?
Nein, aber sie haben für diese Zwecke einen hilfreicher Leitfaden (how to find a lawyer guide) erstellt. Ansonsten kann aber auch das Rendite-mit-Recht-Team Sie bei der Anwaltssuche unterstützen. Nehmen Sie dazu einfach Kontakt mit uns auf.
10. Ist mein Fall zu klein für Crowdfunding?
Nein, Crowdfunding eignet sich besonders für Fälle kleiner Größenordnung.
11. Ist mein Fall zu groß für Crowdfunding?
Aus der Sicht eines Verbrauchers wahrscheinlich nicht. In der Vergangenheit wurden Summen in Höhe von bis zu 366.289,00 £ von 10.952 Spendern in einem einzigen Fall über die Plattform CrowdJustice erfolgreich finanziert. Großvolumige B2B-Fälle sind hingegen weniger geeignet.
12. Kann spendenbasiertes Legal Crowdfunding steuerlich abgesetzt werden?
Im Gegensatz zum Crowdinvesting und Crowdlending kann spendenbasiertes Legal Crowdfunding sogar steuerlich abgesetzt werden. Dabei gelten für Vereine und Wohltätigkeitsorganisationen besondere rechtliche Rahmenbedingungen.
13. Ist Legal Crowdfunding von CrowdJustice besser als klassische Prozessfinanzierung?
Hier gibt es keine pauschale Antwort. Die Plattform-Gebühr von ca. 6% nebst 0,20 £ pro Spendenzahlung erscheint zunächst günstiger als klassische Prozessfinanzierung. Allerdings ist dies auch von den Spendern zu bezahlen, wenn das Verfahren verloren geht. Durch den Non-Recourse-Charakter der Prozessfinanzierung trägt der Prozessfinanzierer das volle Kostenrisiko, wenn der Fall verloren geht. Der größte Interessengleichlauf besteht also zwischen dem Prozessfinanzierer und dem Kläger: Beide wollen, dass der Fall gewonnen wird. CrowdJustice hingegen hat kein besonderes Interesse daran, dass die Fälle erfolgreich verlaufen. Die Gebühr bekommen sie in jedem Fall – zumindest sobald die Fundingschwelle erreicht wurde.
Zudem besteht bei der Plattform ein Währungsrisiko (Auszahlungen nur in GBP) und Einschränkungen hinsichtlich der Anwaltswahl (nur im Vereinigten Königreich registrierte Anwaltskanzleien). Am besten eignet sich CrowdJustice daher für öffentlichkeitswirksame Fälle in wirtschaftlich weniger relevanten Rechtsgebieten oder für Fälle mit geringen Streitwerten. Optimalerweise sollte der Fall einen Bezug zum englischen Recht haben.
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