Immer häufiger werden Kryptowährungen als Zahlungsmittel eingesetzt, auch wenn die Akzeptanz bislang nicht so weit ist, wie sich manche Befürworter digitaler Währungen wünschen würden. Doch es gibt schon viele Alltagssituationen, in denen Bitcoin, Ethereum, Altcoins und sogar Meme-Coins für die Bezahlung von Produkten und Dienstleistungen, auch in Deutschland, eingesetzt werden. Rendite mit Recht zeigt diese interessante Entwicklung im Bereich der Krypto-Prozessfinanzierung.
In den vergangenen Monaten war im Bereich von Rechtsschutzversicherungen, Anwaltshonoraren und Gerichtsverfahren ein wichtiger Schritt in Richtung Krypto-Akzeptanz feststellbar. Mit über 23,4 Millionen abgeschlossenen Verträgen gehört die Rechtsschutzversicherung zu den am häufigsten abgeschlossenen Versicherungen. Kein Wunder, denn die Kosten, um zu seinem Recht zu kommen, sind oftmals belastend und können Betroffene vor große Herausforderungen stellen.
Akzeptieren Anwälte Kryptowährungen als Honorar?
Obwohl dieser Bereich noch ganz am Anfang steht, akzeptieren bereits heute schon mehrere Anwälte und Kanzleien hierzulande Kryptowährungen. Bei der Rechnung erfolgt die Ausweisung der Summe jedoch weiterhin in Euro, denn BTC, ETH oder auch Stablecoins wie USDC dienen lediglich als Zahlungsmittel bzw. zur Umrechnung von Fiat in Krypto.
Es finden sich auch eine ganze Reihe von spezialisierten Krypto-Anwälten, die vorrangig mit Betrugsfällen und gestohlenen Kryptowerten zu tun haben. Sie müssen nicht zwangsläufig den Ausgleich ihres Honorars mit Kryptowährungen akzeptieren, wie unsere aktuelle Recherche zeigt.
Besonders bekannt bei deutschen Klienten im Hinblick auf Kryptowährungen ist die Kanzlei Winheller, die spezielle Rechts- und Steuerberatung rund um Kryptowerte anbietet. Wie auf der Webseite der Kanzlei zu lesen ist, akzeptieren diese jedoch derzeit keine Bezahlung mit Kryptos.
Rechtsanwalt Philipp Caba bezeichnet sich laut Webseite als Anwalt für Kryptowährungen und unterstützt Betrugsopfer bei typischer Abzocke im Netz. Der Geschäftsführer von Gansel Rechtsanwälte schreibt in einem Blog aus dem Jahr 2023 zwar detailliert über seine Leistungen, zeigt allerdings nicht an, dass sein Anwaltshonorar mit Bitcoin & Co. bezahlt werden kann.
Erfreulicherweise gibt es bereits renommierte Anwälte in Deutschland, die man mit Bitcoin bezahlen kann. So ist es beim Anwalt Dr. Servet Pinarak von der Anwaltskanzlei Pinarak der Fall. Ausführlich wird auf der Webseite beschrieben, dass Mandanten die offene Anwaltsrechnung auch mit Bitcoin bezahlen können. Die Details für die Überweisung sind ausführlich und transparent dargestellt.
Bitcoin und andere Kryptowährungen akzeptiert auch der Rechtsanwalt Alexander Plahr der Kanzlei Hagen. Der Anwalt kann mit Kryptos bezahlt werden, wobei er zunächst nur auf BTC hinweist und darauf aufmerksam macht, keine Shitcoins zu akzeptieren. Die Bezahlung erfolgt laut Angaben über eine Wallet-Adresse. Eine Krypto-Börse kann also nur dann zur Überweisung in BTC verwendet werden, wenn diese über eine integrierte Krypto-Wallet verfügt.
Wie sieht es mit anonymen Kryptowährungen wie Monero aus?
Nicht nur Bitcoins sind gefragt, auch anonyme Kryptowährungen wie Monero können bei Anwälten zum Einsatz kommen. Das ist insbesondere dann vorteilhaft, wenn Gelder von klassischen Bankkonten eingefroren wurden oder der Absender Wert auf den Schutz seiner Persönlichkeitsrechte legt. Bei der Rechtsberatung durch die auf Strafrecht & Steuerrecht spezialisierten Anwälte von van Eckert können Bitcoin und Monero zum Einsatz kommen.
Die Entscheidung, als eine der ersten Kanzleien überhaupt Kryptowährungen zu akzeptieren, wurde aufgrund des Urteils des Bundesfinanzhofs vom 14. Februar 2023, Aktenzeichen IX R 3/22, getroffen. Mit der rechtlichen Sicherheit und dem Spezialwissen der Steuerangelegenheiten rund um Kryptowährungen sieht sich die Rechtsanwaltskanzlei in der Lage, Bitcoin und Monero für ihre Dienstleistungen in der Rechnung auszuweisen.
Rechtsstreitigkeiten häufiger als angenommen
68 % der Deutschen waren laut dem Anzeiger Verlag schon einmal im weitesten Sinne mit einem Anwalt in Kontakt oder haben eine anwaltliche Beratung in Anspruch genommen. Rechtsstreitigkeiten kommen in vielen Bereichen des Lebens vor, aber es sind primär private, berufliche oder verkehrsrechtliche Gründe.
Die Bundesrechtsanwaltskammer weist für 2025 folgende interessante Zahlen aus:
- In den vergangenen 20 Jahren war die Zahl der zugelassenen Anwälte bei der Kammer stark rückläufig. Ihre jährliche Veränderung sank demnach von rund 6,05 % im Jahr 2000 auf nur noch 0,44 % für das Jahr 2025. Es wird also immer schwerer, einen freien Anwalt zu finden, denn der Bedarf nach anwaltlicher Hilfe ist demgegenüber überproportional am Wachsen.
- Die meisten Anwälte gibt es im Bereich des Arbeitsrechts. Hier lag ihre Veränderung zum Vorjahr bei plus 3,74 %, was 128 neuen Fachanwälten entspricht. Einen starken Rückgang gab es hingegen beim Versicherungsrecht. Gegenüber 2024 ging deren Zahl bundesweit um 106 Anwälte zurück.
- In NRW fanden sich die meisten Anwälte bezogen auf das Bundesland. Dort waren zum 01.01.2025 39.258 Rechtsanwälte zugelassen. Sachsen-Anhalt konnte nur 1.383 Anwälte bieten.
Kryptowährungen an der Schnittstelle zwischen Finanzen und Recht
Die beiden besonders sensiblen Bereiche können durch digitale Währungen enger zusammenwachsen. Nicht länger sind Investments nur in klassische Werte möglich, denn als digitales Zahlungsmittel lassen sich Bitcoin und andere Coins, teilweise auch Token, zur Bezahlung von Rechnungen einsetzen, und zwar ganz legal und transparent. An der Schnittstelle beider Bereiche ist eine interessante Lücke entstanden.
Noch ist es eine Lücke, oder besser gesagt, eine Nische. Denn bei Rendite mit Recht handelt es sich um den Einsatz von Kryptowährungen bei Gerichtsverfahren oder laufenden Rechtsstreits. Anwälte, die sich schon heute mit Kryptowährungen bezahlen lassen, müssen auf eine ordentlich ausgestellte Rechnung bestehen. Denn die Zahlung mit Kryptos ist nach deutschem Recht nur dann legal, wenn sie als Tauschgeschäft gegen klassische Währungen, also in der Regel den Euro, stattfinden.
Daher erhalten Mandanten zunächst eine ganz normale Rechnung, die dann in den entsprechenden Krypto-Gegenwert umgerechnet wird. Die Umsatzsteuer wird auf den zum Zeitpunkt der Transaktion vorliegenden Euro-Wechselkurs berechnet. Das Angebot, den Anwalt mit Kryptowährungen zu bezahlen, ist freiwillig und kann nicht eingefordert werden. Der Stundensatz eines Anwalts in Deutschland liegt zwischen 180 und 300 € netto, deutlich höhere Stundensätze fallen bei Fachanwälten oder Großkanzleien an. Hier kommen schnell Stundensätze von bis zu 1.000 € zusammen.
Ist Recht ein Vermögenswert?
Um sich vor Gericht gegen erlittenes Unrecht zu wehren, müssen Bürger abhängig vom Prozesswert Gebühren berücksichtigen. Der sogenannte Streitwert legt dabei die Basis fest, an der sich Gerichtskosten ohne Anwalt, der Anwalt selbst und die sonstigen im Zusammenhang mit dem Verfahren stehenden Kosten orientieren. Bei den Gerichtskosten sind es vorrangig die Anwaltskosten, die die Summe hochtreiben.
Auch wenn die Kosten für den Anwalt durch das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) geregelt sind, kommt es nicht selten zu hohen Rechnungen. In Zivilprozessen liegen die Gerichtskosten beim Streitwert von 2.000 € derzeit bei rund 100 €. Liegt der Streitwert bei 5.000 €, steigen diese auf rund 150 € und bei einem Streitwert von 10.000 € kommen alleine fürs Gericht in erster Instanz rund 250 € zusammen. Strafverfahren werden anders berechnet, aber auch steigen die Kosten schnell auf ein paar Hundert Euro.
💡 Hinweis: Individuelle Vergütungsvereinbarungen können über die gedeckelten Stundensätze hinausgehen. Rechtsschutzversicherungen übernehmen aber immer nur die Stundensätze nach RVG. Diese Vergütungsvereinbarungen haben in den letzten Jahren laut Bundesrechtsanwaltskammer erheblich an Bedeutung gewonnen.
Was Rendite mit Recht bedeutet
Die Last der einen Seite kann zum lukrativen Investment werden, wenn man Recht als Vermögenswert betrachtet. Bekannt ist dieses Vorgehen, bei dem sich auf laufende Verfahren oder gerichtliche Einigungen konzentriert wird, vor allem bei Flugentschädigungen. Der Geschädigte tritt seine Entschädigung im Vorfeld an einen Dienstleister ab. Der übernimmt die Kosten für die Eintreibung, also auch ein mögliches Gerichtsverfahren, und erhält dafür eine vorher festgelegte Summe aus der Entschädigungssumme.
Natürlich wird dieser Dienstleister nur im Erfolgsfall entlohnt, weshalb er seine Fälle im Vorfeld genau analysiert. Um die eigene Liquidität zu schonen, können sich Geschädigte für die Prozessfinanzierung entscheiden. Im Zentrum steht der zu erstreitende Betrag, der darüber entscheidet, wie liquide der gesamte Prozess sein muss. Ergänzt wird das Umfeld durch die Erfolgsaussichten ganz allgemein und die Durchsetzungsfähigkeit der Forderung bei der Gegenseite.
Wie man Rendite mit Recht aufbaut
Sind die Eckpfeiler geklärt, dann bieten Kryptowährungen eine interessante Vermögensklasse, um einem breiten Markt ein chancenreiches Investment zu bieten. Rendite mit Recht kann von zwei Seiten betrachtet werden. Zunächst ist da der Betroffene selbst, der sich, zwecks Liquiditätsschonung, für eine Prozessfinanzierung entscheidet. Dann wäre da noch der Investor, der aus unterschiedlichen Gründen an lukrativen Finanzstrategien interessiert ist.
Rendite mit Recht wird zur Investmentstrategie, die für Privatpersonen, Kleinanleger, Unternehmen, aber auch Investoren sowie Institutionen einen starken Sekundärmarkt bietet. Auch speziell Versicherungsunternehmen entdecken mehr und mehr den Markt für sich, bei dem, ähnlich wie bei der Kautionsversicherung, eine Prozessfinanzierung über Dritte versichert werden könnte. Doch bisher scheuen die Versicherer die komplexen Vorgänge, die jedoch mithilfe von Blockchain und Distributed-Ledger-Technologie sicher, transparent und effizient abbildbar sind.
💡 Hinweis: Rechtsschutzversicherung mit Selbstbehalt? Laut der WirtschaftsWoche raten Experten grundsätzlich dazu, über einen Selbstbehalt nachzudenken. Der Bund der Versicherten beispielsweise rät, eine Selbstbeteiligung in einer Höhe zu vereinbaren, die für den Versicherten wirtschaftlich tragbar ist – idealerweise in Höhe von mindestens 500 Euro.
Spezialisierte Finanzierer übernehmen dabei Anwaltshonorare, Gerichtskosten und auch Sachverständige oder Gutachten. Besonders attraktiv wird dieses Geschäftsmodell unter Einbezug von Kryptowährungen. Hier ein einfaches Beispiel aus der Praxis:
Person A besitzt Bitcoin in einer Krypto-Wallet und sieht sich mit Vorwürfen eines ehemaligen Kunden in Bezug auf eine hohe Schadensersatzforderung konfrontiert. Um den Anwalt zu bezahlen, müsste diese Person ihre Bitcoin verkaufen, was zu erheblichen Verlusten führen kann. Stattdessen setzt Person A die BTC ein, um von einem Prozessfinanzierer Unterstützung für die Verteidigung zu erhalten. Dieser, Person B, prüft die gespeicherten Kryptos und die Erfolgsaussichten.
Das wäre ein Beispiel für eine Beklagtenfinanzierung (defence-side financing). Die erfolgreiche Abwendung der hohen Schadensersatzforderung würde in diesem Fall durch vorher im Prozessfinanzierungsvertrag definierte Menge Bitcoins bezahlt werden. Im Unterliegensfall bezahlt Person A weder mit seinen Bitcoins noch muss er sonst irgendwelche Kosten übernehmen.
Prozessfinanzierer mit Kryptowährungen bezahlen
Statt vorsorgende Schadenversicherung, die man auch dann bezahlt, wenn man keine Rechtsstreitigkeiten hat, gibt die Krypto-Prozessfinanzierung für Beklagte mehrere Vorteile an die Hand. Die Bonität des Auftraggebers, Person A, wird nur anhand der besessenen Kryptowerte gemessen. Girokonto, private Spareinlagen oder Tagesgeldkonten bleiben unberührt.
Die gewerbliche Prozessfinanzierung kann die Leistungen von Anwälten ergänzen, denn in der Regel stützt sich dieses Geschäftsmodell auf die meist langwierigen und teuren Zahlungsforderungen vor Gericht. Schadensersatzklagen sind in der Regel solche Prozesse, die vor Gericht richtig teuer sind.
Dass digitale Währungen in den Markt der gewerblichen Prozessfinanzierer rücken, eröffnet auch den Markt des passiven Einkommens für Besitzer von Kryptowährungen. Denn diese können andere Rechtsstreitigkeiten als Investor finanzieren und den Vermögenswert Recht damit unterstützen. Auch in der Justiz hat die ganzheitliche Digitalisierung neue Möglichkeiten eröffnet.
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