Zockertitel mit fragwürdigem Geschäftsmodell
Die börsennotierte Nakiki SE (WKN: WNDL30; ISIN: DE000WNDL300) kann sich einfach nicht entscheiden. Ursprünglich im Prozessfinanzierungsgeschäft angetreten, dann mit Mobilitätsdienstleistungen geliebäugelt und jetzt wird anscheinend mit Bitcoin-Treasury vom großen Geld geträumt. Große Pläne – allerdings fehlt das Geld für deren Umsetzung. Bisher hat die Gesellschaft nämlich keinen einzigen Bitcoin. Und kaum Cash. Doch fangen wir ganz von vorn an.
Volle Windeln
Der Babyartikelhersteller Windeln.de ging 2015 an die Börse und sammelte mehr als 200 Mio. Euro ein. Die Aktie entkoppelte sich immer weiter von der fundamentalen Basis und wurde bei Börsenzockern populär. 2022 ging das Unternehmen insolvent. Daraufhin erwarben Investoren rund um Meridiana Capital Markets SE die gescheiterte Börsenhülle. Der Kauf einer solchen Börsenhülle ermöglicht es im Vergleich zum regulären Börsengang, schneller und kostengünstiger an die Börse zu gehen. Die Investoren entrichteten 350.000 Euro und erhielten im Gegenzug alle Anteile der Altaktionäre – insgesamt 5,5 Mio. Anteilsscheine zum Preis von rund 6 Cent pro Aktie. Zudem verpflichteten sich die Investoren zu einer Kapitalerhöhung: 200.000 Aktien mussten zu je einem Euro gezeichnet werden.
Der Anfang und das Ende des Prozessfinanzierungs-Traums
Die Investoren verkauften das Unternehmen laut einer Pressemitteilung Ende 2023 an eine internationale Investorengruppe weiter. Diese beabsichtigten, die Geschäftsidee von Windeln hin zur Prozesskostenfinanzierung umzuändern. Windeln.de SE wurde in Nakiki umbenannt. Nach eigenen Angaben kaufte Nakiki den Prozessfinanzierer Legal Finance SE, wobei der Beteiligungswert mit 14 Mio. Euro taxiert wurde.
Im Bereich Prozessfinanzierung folgten zahlreiche und erfolgsversprechende Meldungen über angeblich finanzierte Rechtsstreitigkeiten – etwa gegen Online-Casinos oder Kfz-Versicherer. Ob in welchem Umfang diese Finanzierungen tatsächlich stattgefunden haben, bleibt unklar. Dennoch kamen die Meldungen offenbar gut an der Börse an. Der Aktienkurs sprang im Frühjahr auf ein Allzeithoch: Mehr als acht Euro kostete eine Aktie. Gewinne wurde bis dahin und auch heute keine erzielt. Später wurde die Legal Finance SE von Nakiki für praktisch null Euro verkauft. Der Aktienkurs ist zeitweise von acht Euro wieder auf 32 Cent abgestürzt. Ein kleiner Kreis der dubiösen Erstinvestoren dürfte einen hübschen Gewinn eingefahren haben, während Kleinanleger die Zeche gezahlt haben.

Der Aktienkurs kennt nur eine Richtung – Kursentwicklung der Nakiki SE-Aktie: Kurs vom 20.07.2026
Besonders brisant: Die Aktien wurden vor allem in Zeiträumen verkauft, in denen kurz zuvor ein deutlich sechsstelliges Handelsvolumen getraded worden ist. Anscheinend wurden die Aktien von bestimmten Marktakteuren hin- und her gehandelt, um die Kurse künstlich zu pushen und sodann an Privatanleger zu Höchstkursen zu verkaufen. Immerhin war das verlustträchtige Unternehmen in der Spitze 44 Mio. (!) Euro wert.
Für die Bafin ist Nakiki kein unbeschriebenes Blatt. Sie hat bereits im Dezember 2024 Zwangsgelder in Höhe von 45.000 Euro angedroht, weil die Finanzberichterstattungspflichten nach dem Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) nicht erfüllt waren. Denn für den Schluss jeden Geschäftsjahres müssen Unternehmen, deren Wertpapiere am organisierten Markt notieren, Jahresfinanzinformationen erstellen. Spätestens vier Monate nach Ablauf des jeweiligen Geschäftsjahres müssen diese der Öffentlichkeit präsentiert werden. Nakiki hatte keinen Halbjahresfinanzbericht für das Geschäftsjahr 2024 veröffentlicht.
Unterhaltsame Strategiewechsel und Transparenzoffensive
Was bleibt, ist ein schwer greifbares Gesamtbild: Mehrfach verschobene Zahlen, offene Fragen zur Bilanz, wechselnde Geschäftsmodelle und keinerlei Gewinne. Dafür substanzlose Pressemitteilungen am laufenden Band. Am 6. Februar 2026 hat der Vorstand und Aufsichtsrat der Nakiki SE sogar beschlossen, den Abschlussprüfer für das Geschäftsjahr 2024, KHS Audit and Valuation GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Köln, abzuberufen bzw. zu wechseln. Grund ist, dass das Vertrauensverhältnis nachhaltig erschüttert sei.
All in Bitcoin
Nachdem die Pläne in der Mobilitätsbranche verworfen wurden, konzentriert man sich laut Pressemitteilung auf eine Pure Bitcoin Treasury-Strategie. Man will zu Deutschlands erstem Bitcoin-Tresor-Unternehmen avancieren. Die Finanzierung der Bitcoins soll durch Kapitalmarkttransaktionen gelingen. Wandelanleihen und Kapitalerhöhungen sind eingeplant. Mittlerweile hat Nakiki eine im Freiverkehr notierende Anleihe (WKN: A460N4; ISIN: DE000A460N46) mit einem Kupon in Höhe von 9,875% p.a. ausgegeben. Über den Platzierungsstand gibt es aber – natürlich – keine Informationen. Die Pläne sind groß, das Geld ist knapp. Spannend wird sein, ob die Zinsen des ersten Zinstermins am 22.07.2026 gezahlt werden (können). Die Performance der Anleihe orientiert sich derweil offensichtlich an der Aktie: -8,10% auf 6-Monatssicht.

Besonders bemerkenswert: Trotz der Vielzahl von Ungereimtheiten gibt es bislang keine klar erkennbare öffentliche Reaktion der Bafin oder der Frankfurter Staatsanwaltschaft. In Anlegerforen wird der Fall seit Monaten intensiv diskutiert: Von Hoffnung über Spekulation bis zu massivem Misstrauen ist alles vertreten.
Fazit: Das geht in die Hose
Die Aktie bleibt ein ganz heißes Eisen. Der Titel taucht immer wieder als „spannender Small-Cap“ oder „Prozessfinanzierungs-Story“ auf – aus meiner Sicht mit erheblichen Risiken. Wenn eine Aktie hier hauptsächlich über Stories und Pressemitteilungen glänzt, aber kaum nachweisbare Ergebnisse bringt, ist das ein klares Warnsignal. Aus meiner Sicht ist der Titel nicht investierbar. Maximal als reiner Zock mit Totalverlustrisiko, falls überhaupt. Ich bin hier auf jeden Fall nicht investiert und habe es auch nicht vor. Einen gewissen Unterhaltungswert hat diese Unternehmung samt ihrer Protagonisten dennoch, weshalb ich die Entwicklung weiterhin von der Seitenlinie aus beobachten werde. Der Versagungsvermerk für das Geschäftsjahr 2024 und der Halbjahresbericht für 2025 lässt aber Böses erahnen.
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